Google und die Internetzensur – lose Gedanken

Google geht auf Konfrontationskurs mit der chinesischen Obrigkeit. Das liest man heute allerorten in den Gazetten. Doch welche Auswirkungen hat dies auf die Volksrepublik China, der Google-Dependance in Peking, der Firma Google und dem Rest der Welt?
Nach der großen Zustimmung seitens der Medien und der Blogosphäre, die diesen Schritt begrüßen, sollte auch ein Blick jenseits der Euphorie- und Demokratie-Yeah!-Wellen geworfen werden. Google gäbe dadurch den weltgrößten (Internet-)Markt auf, indem sie sich den Oberen des Regimes widersetzen und sich aus dem chinesischen Geschäft zurückziehen. Die vorwiegend von der chinesischen Bevölkerung genutzte Suchmaschine »Baidu« erreichte bislang einen Marktanteil von 69,3%, welcher durch den Rückzug Googles weiterhin rapide wachsen dürfte.
Doch welche Intention treibt Google dazu, diesen eminent wichtigen Wachstumsmarkt aufzugeben? Das Firmencredo »Don’t be evil« wird es nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht sein. Die spannende Frage dabei ist: Schafft es Google, einen souveränen Staat in die Knie zu zwingen, oder wie es mspr0 formulierte:
»Und auf einen Schlag sähe jegliche nationale Gesetzgebung das Internet betreffend aus, wie ein Wutanfall von Mickey Mouse. Die staatliche Souveränität wäre als Prinzip angekratzt, wenn nicht gar völlig diskreditiert. Und es gäbe eine neue strategische Großmacht auf der Welt. Google kann Staaten stürzen.«
Kann sich ein Konzern mit einem Staat anlegen? Ja, er kann. Unter Zuhilfenahme seines Mutterstaates. Google stauiert gerade ein Exempel allerhöchster Güte, sich von seinem – zugegebermaßen überschaubaren – Profit zu verabschieden und der scheinbaren Demokratie eines Landes, welches Menschenrechte ignoriert, zu widersetzen.
Mag man es als PR-Coup feiern oder nicht: Google hat bewiesen, dass es »Eier hat« und der alltäglichen Welt Einfluss verleiht. Auch kann die feierlichen Blumenniederlegungen vor der chinesischen Firmenniederlegung als Danksagung oder als Grabschmuck für den drohenden Rückzug aus dem chinesischen Geschäft interpretiert werden.
Doch der Konzern hat bewiesen, dass er die Macht hat, über die Grenzen hinweg auf Mißstände hinzuweisen und vor allen Dingen international Einfluss hat.
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