KOMA medien: eLearning blog

Grundfragen Multimedialen Lehrens und Lernens an der TU Berlin

An der TU Berlin fand vom 19.03. – 20.03.2007 die 5. Tagung GML »Grundfragen Multimedialen Lehrens und Lernens« statt.

Hier ein kleiner Tagungsbericht

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Angefangen hat es am Montag 10 Uhr in aller Früh‹.
Prof. Dr. Klaus Rebensburg lud ins Mathegebäude, um etwa 70 Teilnehmern den Themenkomplex eLearning unter dem Aspekt der Medien und des Contents näher zu bringen. Ein kurzer Prolog leitete über in die erste Keynote des Tages.

Prof. Dr. Tiziana Margaria-Steffen hatte auf dem Weg von Potsdam nach Hannover auf die Cebit einen kleinen Umweg über Berlin gemacht, um das Auditorium auf eine Reise durch das Web 1.0 hin zu Web 2.0 und Education 1.0 zu Education 3.0 zu nehmen. Dabei lernten wir, dass es auch im Internet Immigranten gibt und diese von der jungen Generation, die mit dem Computer und dem Internet groß geworden sind – die sog. Natives – an die Hand genommen werden müssen. Denn diese Immigrants sitzen meist in höheren Positionen und sind demnach diejenigen, die uns mit Penunzen füttern.
Ferner vermittelte der Vortrag – neben der Erkenntnis, dass man selbst in der Muttersprache zu schnell sprechen bzw. zu langsam zuhören kann – softwaretechnologische Ansätze, wie sie derzeit bei SUN praktiziert werden.

weiterführende Links:
=> http://sws-challenge.org/wiki/index.php/Main_Page

Als nächster Pilot auf unserer Reise durch die Welt des eLernens setzte sich Prof. Dr. Wolfgang Coy von der Humboldt-Universität ans Steuer und hielt einen Vortrag über die »Humboldtsche Bildung unter digitalen Bedingungen?«. Dabei kam sein Philosophie-Studium zum Tragen – und es wurde fortan über Thesen Goethes, Kants und Humboldts philosophiert.
Dass man als Student einer technischen Universität nicht so viel damit anfangen kann und ich demnach daraus keine große Wissenserweiterung erfahren konnte, fällt das Resümee dieses Vortrag etwas kurz aus und wird an dieser Stelle beendet – schon mal aus dem Grund, dass im Anschluss daran zum Mittag geladen wurde.

Und was für ein Mittag! Kredenzt wurden Lukullitäten für jeden Geschmacksnerv – von Rucola-Salat über einer Hackfleischpastete hin zu überbackenen Auberginen oder Mousse au Chocolat mit Früchten. Ein Schmaus.

Nachdem sich die Meute am Mahl labte, konnte man frisch, fromm, fröhlich, frei dem darauf folgenden Vortrag von Prof. Dr. Christian Thomsen lauschen. Dieser befasste sich mit dem Thema »Virtuelle Labore und Remote-Experimente in den Naturwissenschaften« und gab einen eindrucksvollen Blick in die Praxis der Physik. Prof. Thomsen berichtete von Versuchsaufbauten in seinen Laboren an der Uni und vermittelte den Einsatz von neuen Medien und Technologien aus diesen Versuchen. So kann man mit Hilfe multimedialer Technik Experimente jederzeit vom heimischen PC per Remote durchführen oder virtuell Experimente entwerfen, aufbauen, durchführen und auswerten.

Als Chef des NEMESIS-Projekts stellte er außerdem noch die Struktur des Medienzentrum für multimediales Lernen, Lehren und Forschen (MuLF) vor. Alles in allem ein sehr interessanter Vortrag, auch wenn man anfangs den Eindruck hatte, man wäre auf der Erstsemesterveranstaltung für Physik..

Im Anschluss an diesen Vortrag betrat Dr. Nadia Juhnke das Rednerpult und stellte das eLearningkonzept der FU Berlin vor. Das oberste Ziel der eLearning-Strategie ist die breite und didaktisch sinnvolle Integration von eLearning mit dem Fokus auf Blended Learning. Das dort benutze LMS »Blackboard« sowie das Konzept scheint sich allmählich zu etablieren, wenn man die Statistiken zu Rate zieht. Das kombinierte Top-Down/ Bottom-Up-Prinzip trägt erste Früchte – der Verkauf von Content an die Industrie spült ein paar Einnahmen in die klammen Kassen.

weiterführende Links:
=> http://www.cedis.fu-berlin.de/
=> http://www.elearning.fu-berlin.de/

Die anschließende Pause konnte genutzt werden, um den Koffeinbedarf und Vitaminmangel zu stillen oder sich in aller Ruhe die angefertigten Poster im Nachbarraum anzuschauen.

Folgende Exponate wurden ausgehangen:

  • FU Berlin: Lernen mit Medien im Berliner/ Potsdamer eLearning-Verbund BAL am Beispiel des multimedialen SHOAH Archivs
  • TU Berlin: Neue Infrastrukturen für eLearning Verbände am Beispiel des BAL Projekts – Lichtwellenleiter für eLearning zwischen HUB, FUB, TUB, Charite, Uni Potsdam/ Hasso Plattner Institut und HFF
  • VirtusD: Virtuelle Universität Deutschland eLearning für eine bessere Bildung an den Hochschulen
  • Charit? Universitätsmedizin Berlin: Wege aus der Isolation: Content-Sharing in LMS an der Charite. Mehrdimensionale Navigation in der E-Lehre an einem Beispiel in Blackboard.
  • S. Fudickar. Uni Potsdam: TMNet – Lernen durch Erfahrungen semantischer Zusammenhänge im WWW
  • Ahmet Emre Acar: Serious Games
  • Martin Vogel, Multimedia Kontor Hamburg GmbH eLearning awareness und IT Infrastruktur: Ganzheitliche Strategien für das digitale Studieren an Hamburgs Hochschulen

Nachdem man sich frisch gestärkt auf die gemütliche Vorlesungsbank zurückbegeben hat, wurde man auch gleich Zeuge des nächsten Referats »Grundfragen multimedialer eLehre im Licht von Bologna – Dropping the ›e‹?« von Christian Grune und Andreas Vollmer. Ihr Vortrag setzte sich mit dem Bologna-Prozess und deren Folgen auseinander, bei dem u.a. digitale Technologien in der Lehre vermehrt eingesetzt werden müssen und eLearning keinesfalls mehr nur Spezialisten vorbehalten bleibt. So sehen die beiden Bologna als Chance für eine effektive und neue Art der Lehre an. Dabei wird auf vier Arten von Kompetenz zurückgegriffen:

  • Personelle Kompetenz
  • Aktivitäts- und Handlungskompetenz
  • Fach- und Methodenkompetenz
  • Sozialkommunikative Kompetenz

weiterführende Links:
=> http://cms.hu-berlin.de/netz

Den für mich interessantesten Vortrag des ersten Tages hielt Michael Herzog über »Mobile Learning: Facetten, Akzeptanz und Effizienz«. Jeder kennt das: Man sitzt in der U-Bahn und hat seine Zeitung oder sein Buch zu Hause liegen lassen und muss sich nun seine Zeit mit dem Betrachten seiner Mitreisenden totschlagen. Warum nicht einfach über sein Handy Nachrichten abrufen oder ein eBook lesen? Durch die rasante Verbreitung mobiler Endger?te (Palm, Handy, iPod, …) ist ein großer Markt entstanden, über den man exzellent Wissen vermitteln kann. Und dort setzt Mobile Learning an. In seinem Vortrag zeigte Michael Herzog Einsatzgebiete, Beispiele und die bereits vorhandenen Technologien mit ihren Vor- und Nachteilen eindrucksvoll auf.

weiterführende Links:
=> inka.fhtw-berlin.de/moco – Weiterbildungskurs an der FHTW
=> mobile-education.de/index.php?id=41 – Autorentool zur Erstellung von mobilen Lernangeboten
=> author42.bureau42.de – ein Autorentool
=> Adobe Flash Lite – Erstellung von Flash Anwendungen f?r mobile Endger?te

Den Abschluss des ersten Tages bot Sandra Buron von der Charite mit ihrem Referat zum Thema »Wege aus der Isolation: Content-Sharing in LMS an der Charite«.

Den Start in den zweiten Tag gab Prof. Dr. Detlef Krömker von der Uni Frankfurt mit »Risiken und Potentiale neuer Medien für multimediale Lehre«.
Er stellte kurz die eLearning-Strukturen der Uni Frankfurt vor und verkündete stolz, dass mittlerweile fast alle Fachbereiche eLearning einsetzen und dieses bei den Studierenden auch sehr gut angenommen wird. Dabei muss jeder Fachbereich vorher eine Strategie vorweisen, um an Fördergeld aus dem eLearning-Fond zu kommen.
Oberstes Ziel ist es, eine hohe Qualität in der Medienproduktion zu erzielen und in den einzelnen Übungen/ Aufgaben variabel zu sein, um das hohe Maß an Wissensvermittlung am effektivsten einzusetzen.
Der Anschluss an eine bzw. die Gründung einer Dienstleistungs GmbH verbindet dann den angesammelten Content mit der Wirtschaft und spült auch noch den einen oder anderen Euro in die Kassen.
Für uns StudConsis dürfte interessant sein, dass in Frankfurt auch studentische Mitarbeiter in die Institute ausgeliehen werden. Und wenn ich das richtig verstanden habe, veranstalten die jedes Jahr eine Börse, bei der sie ihre Arbeit dem interessierten Publikum vorstellen und reflektieren..

Prof. Hans-Herwig Atzorn (FHTW Berlin) hielt im Anschluss daran seinen Vortrag über »Gr¨ße, Vielfalt, eLearning Excellenz in Fachhochschulen«. Sein Verständnis von Lehre ist diese, dass Lehre und Studium nicht beim Verlassen des Hörsaals zu Ende sind, sondern es dem Studierenden auch zu Nebenzeiten möglich sein soll, sein Wissen zu erweitern.
So wurde das Projekt PALOMITA: Prozessintegration für Lehre, Organisation und Marketing – IT basiert gegründet, welches – wie die meisten anderen o.g. Projekte – vom BMBF gefördert wurde.
Als praktische Beispiele wurde u.a. die interaktive Simulation einer Maschine und deren Funktionsweise und das Erlernen einer Restaurationssoftware für alte Filme gezeigt.

Die Multimedia Kontor Hamburg GmbH schickte Dr. Marc Göcks in den Hörsaal, um den Hochschulstandort Hamburg und die Arbeit des Kontors vorzustellen.
Die MMKH sieht sich als zentrale Einrichtung für alle Hamburger Hochschulen und setzt an diesen Projekte in den Bereichen »hochschulübergreifendes Identity Management«, »hochschulweites Campus Management« sowie »Studienverlaufsstatistik und Controlling« um.
Weiterhin baut die MMKH GmbH das sog. podcampus-Portal auf, bei der die Hochschulen ihnen ihre Podcasts schicken und die Studierenden dann diese zentral herunterladen und anhören können.

weiterührende Links:
=> podcampus.de

Von der Universität Siegen nahmen Kirstin Schwidrowski und Christian Eibl den weiten Weg nach Berlin auf sich. Die beiden sind Diplominformatiker, deren Ziel es ist, Grundkompetenzen des Internets den »Kunden« zu vermitteln. So sollen die Menschen verstehen, was hinter gewissen Fehlermeldungen für Prozesse stecken und was diese Fehler verursachte. Schwerpunkt liegt dabei auf diversen Internet-Protokollen sowie der Client-Server-Thematik (Bsp.: Email-Verkehr).

Als letzter Redner vor der heiß ersehnten Mittagspause schritt Dennis Mischke mit »Social Software in interdisziplinären Lernszenarien der Kognitions- und Neurowissenschaft« ans Rednerpult.
Die zentrale Fragestellung bei seinen Forschungen ist, ob sich Social Software zur Wissensvermittlung eignet. Dazu hat er das CMS Drupal als fallbasiertes eLearningtool aufgesetzt, bei dem das Potential von Folksonomies und dynamischen Tag-Clouds bei der Optimierung kollaborativer fallbasierter Lernprozesse erprobt werden soll. Doch nun ab zur Mittagspause.

Wer ein abermaliges Festmahl – wie es den Tag davor kredenzt wurde – erwartet hat, wurde heute leider enttäuscht. Aus organisatorischen Gründen musste auf alternative Essensmöglichkeiten ausgewichen werden
- doch die Mathe-Cafeteria ist nicht umsonst für ihre Bockwurst mit Kartoffelsalat ber?hmt…

Gut gesättigt konnte man sich nun der Präsentationskunst eines Dr. habil. Gerrit Kalkbrenner hingeben.
Einer Studie nach dient das Handy als optimaler Pausenfüller und kommt öfters auch nur zum Spielen zum Einsatz. Ähnlich des Ansatzes von Michael Herzog (Mobile Learning) will Herr Kalkbrenner dort weiterarbeiten. Das Lernen (wollen) in authentischen Situationen sowie schnelle Innovationszyklen bei Handys begünstigen dieses Vorhaben. Einzig die weitergehende Integration, Vernetzung und Kompatibilität der einzelnen Geräte stellt noch ein Problem dar, welches allerdings durch das UPnP- (Universal Plug and Play) Protokoll behoben werden soll, mit dem er gerade beschäftigt ist.

Einen kurzen Abstecher in das Web 2.0 machte Stefan Cordes von der FU Berlin, bei der er kurz die neuen Formen des Lernens in Verbindung mit Social Software an der FU vorgestellt hat.

weiterführende Links:
=> http://blog.sozwi.de/ – Stefan Cordes‹ Blog
=> http://www.e-learning.fu-berlin.de/s…ogs/index.html – Blogs an der FU Berlin

Den vorletzten Redebeitrag hielt Gerald Haese, der auf Telekonferenzen und Votingsysteme in der Lehre eingegangen ist.
Im Rahmen seines Vortrags wurden diese zwei Hilfsmittel zur elektronischen Unterstützung der traditionellen Präsenzlehre vorgestellt und kurz demonstriert.

Die Telekonferenz stellt dabei eine Möglichkeit dar, standortübergreifend zu kommunizieren oder laufende Vorlesungen mitzuschneiden, um sie entweder live in die Wohnzimmer zu streamen oder im Nachhinein den Lernenden zur Verfügung zu stellen. Eine weitere Möglichkeit bietet sich zur Zuschaltung von Experten während der Vorlesung, sollten diese nicht vor Ort sein.
Zu beachten ist allerdings dabei, dass die Technik derzeit noch sehr kostenintensiv ist und man sich vorher genau ?berlegen muss, ob man unbedingt den Einsatz von bewegten Bilder bei seiner Präsentation benötigt.

Das Votingsystem wurde geschaffen, um auch die schüchternen Studierenden am Lerngeschehen zu beteiligen. Dabei kann »Wer-Wird-Millionär«-like auf einem Abstimmungssystem interaktiv auf die Vorlesung Einfluss genommen werden. So kann der Dozent bspw. eine Frage stellen und die Lernenden können per Knopfdruck völlig anonym ihre Antwort abgeben. Die Folgen waren beeindruckend. Das sofort grafisch aufbereitete Feedback stellte den Ausgangspunkt für weitergehende Diskussionen dar und das Ziel war erreicht.

Den Schlusspunkt der zweitägigen Veranstaltung setzte Prof. Dr. Debora Weber-Wulff. Die Professorin für Medieninformatik an der FHTW berichtete von ihren Erfahrungen mit den verschiedensten LMS und kam zum Schluss, dass unser allseits geliebtes Moodle anscheinend doch das beste LMS sei…
Ferner stellte sie Möglichkeiten einer Online-Prüfung vor mit allen Möglichkeiten, etwaiges Schummeln oder Manipulieren zu umgehen.

Die Schlussworte von Herrn Rebensburg erspare ich mir an dieser Stelle.

Festzuhalten ist auf jeden Fall, dass es eine sehr informative Veranstaltung war. Ich konnte viel davon mitnehmen und einige neue Ideen sammeln. Den Tagungsband mit den Langfassungen der Beiträge – welcher wohl in etwa drei Monaten im Handel erscheinen wird – wird auf jeden Fall mein Regal zieren.

Erstaunlich, ja gar bedrohlich fand ich die allgegenwärtige Präsenz von iBooks und iPods im Hörsaal. Selbst Windows-User hatten ihr Notebook mit einer Mac-Oberfläche ausgestattet..
Ebenso mysteriös die Euphorie eines jeden Einzelnen gegenüber der Plattform »Second Life«. Ich habe es ausprobiert, aber kann den Hype darüber überhaupt nicht nachvollziehen.

Schlussendlich danke ich Michael Herzog und Prof. Kalkbrenner dafür, mich wegen ihrer Mobile-Learning-Vorträge dazu bewegt zu haben, einen sündhaft teuren Creative Zen mit Vodcast-Möglichkeit erworben zu haben…

  • Was lesen hier meine müden Augen halb lachend und weinend…
    »hielt einen Vortrag über die »Humboldtsche Bildung unter digitalen Bedingungen?«. Dabei kam sein Philosophie-Studium zum Tragen – und es wurde fortan über Thesen Goethes, Kants und Humboldts philosophiert.
    Dass man als Student einer technischen Universität nicht so viel damit anfangen kann und ich demnach daraus keine große Wissenserweiterung erfahren konnte…«
    Ich lese gerade »Die Simpsons und die Philosophie: Schlauer werden mit der berühmtesten Fernsehfamilie der Welt.«, welches ich dir empfehle und gerne leihen könnte. Ansonsten bin ich übrigens auch kein so großer Fan von Herrn Coy.;-)

  • Ach herrje, einer meiner ersten Beiträge in diesem Blog… Wir können uns ja ein erneutes Bild bei der GML 2009 machen, wo du mir auch gern das besagte Buch ausleihen kannst.

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