Resümee GML²-Tagung 2009

Die GML² 2009 ist zu Ende. Es liegen zwei pralle Tage voller Input und teilweise aufregender Vorträge hinter mir.
Angefangen hat es traditionell mit den Grußworten von Prof. Nicolas Apostolopoulos von der FU Berlin und dem kurzfristig eingesprungenen Prof. Klaus Rebensburg von der TU, der den ungeliebten Part des Werbeblocks übernahm. Daran änderten auch die Smileys auf seinem mittlerweile berüchtigten Powerpoint-Layout »Bergspitze.pot« nichts, gehörten aber einfach dazu.
Den vermeintlich gelungensten Start in eine eLearning-Tagung erreichten die Organisatoren mit der Verpflichtung Prof. Grötschels als Redner des ersten Vortrags. Trotz vorheriger Warnung, mit seinem Thema »E-Learning and the Working Mathematician« nicht unbedingt die enthusiastischen eLearning-Lemminge zu verzücken, pointierte und kritisierte er aktuelle Entwicklungen aus seiner Sichtweise. Dass er dabei nicht unbedingt Konsens erfuhr, zeigte sich im Laufe der fortfolgenden Vorträge, in denen er regelmäßig zitiert wurde. Und dazu hatten die Referenten ausreichende Gelegenheit, denn es folgten zwei Stunden, in denen Buzzword-Bingo-Spieler feuchte Augen bekommen hätten. Fachpersonal aus den bekanntesten Universitäten Berlins und Potsdams sprachen über die Etablierung von E-Learning und Synergieeffekten durch Vernetzung (Na, wieviele Kreuze durften Sie auf Ihrem Zettel machen?)
Nach der anschließenden Kaffeepause und einem aufschlussreichen Gespräch mit Prof. Gabriele Schäfer, die die FH Heilbronn auf der Postersession mit einer Evaluation über die Nutzung vorlesungsbegleitender Lernmaterialien vertrat, kam es zur Verleihung des E-Learning-Preises der FU Berlin. Herausragend hierbei die Juristen mit ihrem Videoprojekt Tele-Jura, welches im Hörsaal spürbar für Stimmung sorgte. Ernster ging es folgend weiter. Claudia Bremer erzählte von den eLearning-Aktivitäten der Goethe-Universität Frankfurt/Main, deren aktive Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und der dadurch generierte beträchtliche Umsatz. Interessant hierbei das Konzept der ausleihbaren Student Consultants, die für ein Entgelt von 15€/Stunde aktive Weiterentwicklungsarbeit leisten. Den Abschluss des ersten Tages lieferte Dr. Angela Peetz von der Universität Hamburg mit dem Thema »Hochschulübergreifende Kooperationen zur Bereitstellung von Lehr-/Lerninfrastrukturen«. Das anschließende Get together musste in Ermangelung an zeitlichen Ressourcen und dem gebuchten »Studenten-zahlen-keinen-Tagungsbeitrag-dürfen-aber-auch-nicht-beim-get-together-teilnehmen«-Tarif ohne mich stattfinden.
Der zweite Tag begann für mich mit der Vorstellung der Online-Masterstudiengänge »East European Studies Online« und »International Relations Online«, gefolgt von dem mit Spannung erwarteten Vortrag von Anja Wipper über das Projekt ConSENS, in dem ich auch zwei Jahre beschäftigt war. Den Nachfragen stellte sie sich erwartet souverän und es konnte somit beruhigt zum letzten Referat vor der Mittagspause kommen: »Datenschutz im E-Learning-Sektor«, bei dem ich feststellen musste, dass die Schere zwischen korrekter Juristerei und benutzerfreundlichem Design/Webauftritt noch gehörig weit auseinander klafft. Wenn Sie also in Zukunft anstelle der Startseite eine Meldung sehen, bei dem Sie sich eine Datenschutzerklärung durchlesen müssen, dies bestätigen müssen und erst anschließend auf diesem Blog landen, so hat die juristisch korrekt umgesetzte Formalie auch in diesem Hause Einzug gehalten.
Gestärkt von den Fleischtöpfen ging es zu den Themen »E-Learning gelehrt, gelernt und angewendet«, bei dem Marco Nordmann von der TU Braunschweig sein Projekt Learning Application Suite – ein Referenzmodell für die Entwicklung SCORM-kompatibler Lernprogramm – vorstellte, sowie »CHEMGAROO – Chemie lernen multimedial«, eine bemerkenswerte Sammlung an Lernpaketen. Einzig verwirrend, dass diese laut Aussage Open Source sein sollen, aber man die Materialien nicht für die eigene Veranstaltung herunterladen darf und darüber hinaus diverse Lernpakete Geld kosten. Darüber hinaus hat es sich mir auch nicht erschlossen, wieso ein aus vorwiegend öffentlichen Geldern finanziertes Projekt in seinen Online-Lehrinhalten kommerzielle Werbung in Form von GoogleAds schalten muss.
Bertold Kujaths Ausführungen zur »Evaluation eines Lehrvideos zum informativen Problemlösen durch Informatikstudenten« mussten aufgrund Twitterablenkungen zurückstehen, weswegen es nach der anschließenden Kaffeepause zu den letzten beiden Vorträgen »Handlungsorientierte Lehre im internationalen Lernnetzwerk« und der Vorstellung des Beratungs- und Qualifizierungsnetzwerks der FHTW, HU und TU Berlin kam. Letztgenannte bündeln die Kompetenzen an den genannten Berliner Hochschulen und bieten auf dem Gemeinschaftsblog dimekon.de ihre Kurse an. Das Projekt steckt hierbei noch in den Kinderschuhen, wird aber in Zukunft mit Sicherheit eine multiplikative Wirkung entfalten.
Den Abschluss der GML²-Tagung bildete ein wohl-pointiertes Schlussplädoyer von Andreas Schwill, in der er mit spitzer Zunge die vergangenen zwei Tage Revue passieren ließ.
Resümierend lässt sich sagen, dass die Tagung wieder mit zahlreichen interessanten Vorträgen aufwarten konnte. Es sollte sich allerdings die Frage gestellt werden, ob es für künftige Tagungen sinnvoll ist, zum zig-sten Mal die Bebauchpinselung in Form der Vorstellung eigener Projekte zu betreiben oder man nicht auch mehr Zeit für offensichtlich kontroverse Diskussionen zwischen eLearning-Kritikern und -befürwortern einräumen sollte. Zu einer nachhaltigen Verbesserung der Veranstaltung zählt ebenso die Öffnung neuerer Medien gegenüber: Ich habe beobachtet, dass gefühlte 50% aller Notebook-bewaffneten Teilnehmer nebenher twitterten, dieses Thema – ob es nun geeignet ist, sei einmal dahin gestellt; aber es schien zumindest präsent – jedoch zu keinem Zeitpunkt angerissen wurde. Ferner ist der Hörsaal des Konrad-Zuse-Zentrums bis oben hin bewaffnet mit High-Tech-Utensilien, aber es gab keinerlei Möglichkeit, die Vorträge aufzuzeichnen, geschweige denn live ins Internet zu streamen.
Gleichsam fehlte mir persönlich der Hauch an Aufbruchstimmung, gemeinsam und konsequenter das Ziel zu verfolgen, effektiv den Sektor eLearning im Hochschulbereich voran zu betreiben. Vielmehr hatte man Gefühl, dass jeder sein eigenes Süppchen kocht und auf seine eigenen Fördermöglichkeiten schielt. Oder wie Bruce Spear in einem Tweet beschrieb:
Why no talk on twitter at #GML Berlin? It’s a trade fair organized by a cartel and not an academic conference respecting original research.
Herzlich Willkommen auf der eLearning-Plattform von KOMA medien. Es erwartet Sie ein stetig erweitertes Blog mit Themen rund um eLearning und Neue Medien



